Bandinfo
Der Dudelsack
bald fünf Jahrtausende alt
Wir alle kennen den etwas monotonen, fast melancholischen Klang der Dudelsackpfeife und die Farbenprächtigen, reich geschmückten Uniformen
mit dem Schottenrock, Kilt genannt. Über die Herkunft dieses eigenartigen Blasinstrumentes ist man in der Schweiz im allgemeinen schlecht informiert. Die Sackpfeife ist ursprünglich kein
schottisches Instrument. Der Dudelsack, vor Urzeiten (zirka 2800 v.Chr.) im Orient als Hirtenflöte verwendet, gelangte später von Babylonien über Ägypten, Kleinasien und Griechenland zu den
alten Römern, die ihn auf den Eroberungszügen auch über die Alpen brachten. So wurde in unseren Gegenden Dudelsack gespielt, bevor ihn die Schotten kannten.
Laut Robert Blasers Studie über das Schweizerische Blasmusikwesen,
hielten die Luzerner zu Beginn des 15. Jahrhunderts vier Pfeifer, von denen einer 1422 in der Schlacht von Arbedo fiel. Dass in der
altschweizerischen Militärmusik auch der Dudelsack gelegentlich verwendet wurde, beweisen Abbildungen in den Diebold-Schilling-Chroniken. Sogar Bauwerke erinnern uns an jene Zeiten, so zum
Beispiel der Dudelsackpfeifer-Brunnen in Bern und zwei in Sandstein gehauene Dudelsackbläser an der Fassade des Stadthauses von Luzern. Im wahrsten Sinne des Wortes darf der Dudelsack als ein
altschweizerisches Folkloremusikinstrument bezeichnet werden. Vielfach wurde er früher bei Festlichkeiten als Tanzmusikinstrument verwendet.
Im 16. Jahrhundert kam dann für den Dudelsack der soziale Abstieg. Die Sackpfeife wurde zum Musikinstrument der Gaukler und Diebe für
ausgelassene Feste. Die Obrigkeit versuchte, das Dudelsackspielen zu unterbinden, da man darin die Ursache für einen unsoliden Lebenswandel sah. So wurde das Spielen dieses Instrumentes und das
Tragen des Kilts Ende des 18. Jahrhunderts in Schottland verboten und erst 1882 wieder offiziell erlaubt.
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12. Mai 2001: Marsch- und Platzkonzerte zum Muttertag in der Luzerner Altstadt (Rathausplatz). Robi Lustenberger und
Hans Reber (v.l.).
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Das Kernstück der schottischen Bagpipe bildet der Sack aus Elch-, Schafs-, Rinds-, Ziegen- oder Känguruhleder, der beim Spielen unter
den Arm geklemmt wird. Durch ein Mundstück sorgt der Bläser dafür, dass der Sack immer mit Luft gefüllt ist. Auf der oberen Seite ragen drei
Pfeifen (Drons) heraus, die immer den gleichen Ton spielen und dem Dudelsack jenen etwas monotonen, durchdringlichen Bordunklang geben. Am Vorderteil des
Sackes ist der Chanter, eine flötenähnliche Pfeife angebracht, auf der die Melodie gespielt wird. Von den verschiedenen Dudelsäcken ist die Highland Bagpipe die verbreitetste ihrer Art.
Rückkehr in die Schweiz
Der Gedanke, das Dudelsackspielen in der Schweiz wieder aufleben zu lassen, wurde 1971 durch
Hans Reber und Roman Kaeslin verwirklicht. Mit einem Zeitungsinserat wurden Interessenten gesucht, und es meldeten sich auf Anhieb so viele, dass der Gründung der «First Bagpipe-Band of
Switzerland», noch besser bekannt unter dem Namen «Happy-Pipers» im Jahre 1973 nichts mehr im Wege stand. Einige Anfangsschwierigkeiten gab es allerdings: Probleme mit den ersten
Dudelsäcken pakistanischer Herkunft; Beschaffung neuer Originaldudelsäcke und Uniformen aus Schottland; vor allem aber die Tatsache, dass von sämtlichen Vereinsmitgliedern niemand auch
nur eine Ahnung von der Kunst des Dudelsackblasens besass. Das Interesse am Dudelsackpfeifen war so gross, dass man sich die hiefür nötigen Informationen direkt in Schottland holte und sie
auch spontan bekam. Für das Dudelsackspielen braucht es immerhin eine Lehrzeit von mehreren Jahren.
Dieses Musikinstrument verlangt gute Atemfülle, geübte Wangenmuskulatur, Fingerfertigkeit und Ausdauer.
Das Wappen der Happy-Pipers, geschmückt mit den Luzerner Stadtfarben, stellt ein mit der Hand
gehaltenes Schwert dar, umgeben mit den Worten «CONJUNCTA VIRTUTI FORTUNA« (Tapferkeit ist mit Glück verbunden). Am Kilt wird der Tartan des Schottischen Clans «MAC BETH« getragen.
Für den von Hand hergestellten Kilt benötigt man 6-8 Meter Stoff. Unter dem Kilt trägt der echte Schotte...
Popularität und Begeisterung
Durch mehrere Fernsehsendungen (Schweiz, Deutschland, Holland
und Österreich), diverse Tonträger und zahlreiche Auftritte bei verschiedenen Anlässen sind die Happy-Pipers weit über die Landesgrenze hinaus bekannt geworden. Der Dudelsackformation ist
auch ein Highland-Dancer angegliedert. Die Band stellt für Auftritte einzelne Spieler oder Gruppen von 6 bis 20 Pipers und Drummers zur Verfügung.
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Single der Happy-Pipers, 1976
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Die Erfolge im In- und Ausland blieben nicht aus. So wurden die Happy-Pipers von der Britischen Fluggesellschaft British Airways für die Feierlichkeiten zur Eröffnung der Direktfluglinie Zürich
-Manchester verpflichtet. Der Band wurde die einmalige Ehre zuteil, an dem von der Britischen Botschaft in Bern veranstalteten Fest zum 25-Jahr-Jubiläum der Thronbesteigung Ihrer Majestät,
Königin Elizabeth II., die zahlreichen diplomatischen Vertreter aus aller Welt musikalisch zu unterhalten.
Bei Einweihungen von Bauten und Werken ist die Band mehrmals als Sparsymbol eingesetzt
worden, denn bekanntlich sollen ja die Schotten zumindest sparsam, wenn nicht geizig sein. Auch bei Firmenanlässen und Hochzeiten ist sie oft dabei.
Mit Genugtuung wird festgestellt, dass sich nicht nur die Schottischen Vorbilder für die Happy
-Pipers interessieren. Auch internationale Bands aus Grossbritannien, Kanada, USA und Australien unterhalten mit ihnen freundschaftliche Kontakte.
Immer wieder etwas Neues, das ist die Devise der Happy-Pipers! So konnte TV-Präsentator Wysel
Gyr eine Welturaufführung Dudelsack mit Ländlermusik vorstellen. Als weitere Sensation gilt vor allem im Ausland das Zusammenspiel Dudelsack mit Alphorn. Das gemeinsame Auftreten mit
verschiedenen Musik- und Gesangsformationen brachte den unermüdlichen Pipers und Drummers weiteren Aufschwung, u.a. mit dem legendären Schweizer Gesangstrio Peter, Sue und Marc, aber
auch mit den Holländischen Luvs. Auf dem Plattenmarkt brachte die LP Grüezi Schottland, eine bunte Mischung von Dudelsack- und Ländlermusik, einen weiteren Erfolg. Auf verschiedenen
Tonträgern wurden Auftritte mit der Ländlerkapelle Oberalp, u.a. anlässlich der TV-Sendungen Auf
los geht's los, Gala für Stadt und Land, festgehalten. Unvergesslich bleibt der gemeinsame Auftritt mit The New Humphrey Lyttelton-Band, London. Das Zusammenspiel mit der Pepe
Lienhard-Band, wie auch der Gesang von Maya Brunner mit den Happy-Pipers in der TV-Sendung Benissimo, werten die Luzerner Dudelsackbläser als Glücksfall. Für die Good News-Konzerte mit
Rod Stewart ins Hallenstadion nach Zürich engagiert zu werden, darf man als ein weiteres Highlight bezeichnen.
Regelmässig spielt die Band an internationalen Curlingturnieren. So konnte sie mehrmals in
Grindelwald, Leukerbad und Flims die Europameisterschaften musikalisch umrahmen. Auch an den
Schweizer Curlingmeisterschaften in Leukerbad und Biel waren sie mit von der Partie. In Lausanne waren es wiederum die Happy-Pipers, die zur Eröffnungs- und Schlusszeremonie der Curling
-Weltmeisterschaft und in Grindelwald zur Junioren-WM verpflichtet wurden. An verschiedenen Golf- und Polo-Sportveranstaltungen wurden ihre musikalischen Einsätze ebenfalls sehr
geschätzt.
Aber auch für den Schweizer Fussball mussten sie herhalten, so mit der Rasenshow im St.
Jakobsstadion in Basel, anlässlich des Meisterschaftsspieles Basel-Servette. Auf der Allmend in
Luzern sorgten sie für Riesenspektakel anlässlich der Fussballspiele Luzern-Vevey (Cup Viertelfinal
) und Luzern-Servette (FCL Schweizermeister). Der Auftritt beim EM- Qualifikationsspiel Schweiz-Schottland im Wankdorfstadion in Bern zählt zu den Höhepunkten der Band.
Zur Freude der Soldaten und Offiziere bringen einige Bandmitglieder alljährlich mit dem Dudelsack
in Wiederholungskursen und Manövern neuartige Töne in den grauen Militäralltag.
Alle zwei Jahre finden Swiss-Pipe-Band-Meetings mit ausländischer Beteiligung statt. Die Happy-Pipers sind ebenfalls aktiv dabei.
Happy-Pipers verkörpern Living Switzerland
Für den Staatsbesuch Ihrer Majestät, Königin Elizabeth II. mit ihrem Gemahl Prinz Philipp in der
Schweiz, wurden die Luzerner Schotten durch das Eidg. Politische Departement für auswärtige Angelegenheiten, zum Spiel eingeladen. Christoph Demarmels, Lehrer am Konservatorium in
Zürich, komponierte für das Englische Staatsoberhaupt The Queen Elizabeth II March. Dieser Anlass wurde in einer eigens dafür geschaffenen Weinetikette festgehalten.
Unter dem Motto England in der Musik durften die Happy-Pipers die Internationalen
Musikfestwochen Luzern offiziell eröffnen. Die Luzerner Schotten wurden ebenfalls bei der Eröffnung des neuen Kunst- und Kongresshauses Luzern engagiert.
Die Band nimmt auch oft an grossen Umzügen (Rosen-, Winzer- und Musikfeste) sowie an
diversen Pferdeveranstaltungen im In- und Ausland teil. An eidgenössischen Festen wie das der Ländlermusik, der Hornusser, der Schwinger, der Jodler und Alphornbläser und der Tambouren
und Pfeifer, waren die Happy-Pipers dabei. Am Comptoir Suisse in Lausanne wie auch an der OLMA in St. Gallen wussten die Luzerner Schotten zu begeistern.
Mit der Herausgabe eines weiteren Tonträgers versuchen die Happy-Pipers auf eine originelle Art auch noch andere Musikstilrichtungen zu
erfassen. Gutes Beispiel dafür ist das gemeinsame Konzertieren im der MG Oberrüti.
Die Band versucht mit der Auswahl und Interpretation der Musikstücke einen eigenen Stil zu prägen. Im Repertoire sind deshalb
auch Schweizer Melodien enthalten. So findet man nebst den traditionellen schottischen Stücken auch einige Eigenkompositionen.
Diese uralte und für uns doch neue Art der Folklore wird in der Schweiz ganz bestimmt Erfolg haben. Wo immer der Dudelsack und
der dazugehörende Rhythmus in Erscheinung treten, überall erobern sie die spontane Sympathie der Zuhörer.
In einer eigens geschaffenen Chronik sind alle Aktivitäten und Engagements der Band lückenlos
aufgezeichnet und illustriert. Diese wurde zur Einsicht im Staatsarchivs des Kantons Luzern eingelagert.

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